10 Die WOHNRAUMLÜFTUNG - häufig gestellte Fragen.


Warum Wohnraumlüftung?


Weil die Luft nach einer Nacht in einem Schlafzimmer mit 2 Personen zum schneiden ist. Geschwängert mit Feuchtigkeit, CO2 und allerlei flüchtigen organischen Verbindungen und weil die zu konstant frischer Luft führenden Alternativen regelmäßiges Aufstehen und Stoßlüften bzw. die beliebte Variante "gekipptes Fenster" sind. Dass die Alternativen nix können wird im Folgenden erläutert. 

Laut, Geräusche?
Nicht vorhanden - auch nicht Nachts im Schlafzimmer.
Störende Geräusche gibt es nur bei fehlgeplanten oder -gebauten Anlagen. Wenn die Querschnitte zu klein und damit die Luftgeschwindigkeit zu hoch wird, wenn auf Schalldämpfer verzichtet wird, wenn die Anlage nicht korrekt einreguliert wird. Wenn die Luftmengen zu groß gewählt wurden ... das hat noch weitere unangenehme Folgen.

Zugerscheinungen?
Nicht vorhanden.
Wohnraumlüftungen sind nicht mit gewerblichen Anlagen vergleichbar, die mit weit höheren Luftwechselraten betrieben werden - und auch nicht mit amerikanischen Klimaanlagen oder mit den Lungenentzündungsgebläsen im PKW.
Die Luftmengen sind so gering, dass bereits einen Meter neben dem Auslass kein Zug mehr fühlbar ist.

Trockene Luft im Winter?
Nicht vorhanden.
Trockenheit ist ein Produkt fehlgeplanter oder -gebauter Anlagen oder ein Produkt von zu viel Wohnraum/Einwohner. Es ist u.A. Zweck der Lüftungsanlage, die im Gebäude entstehende Feuchtigkeit abzutransportieren ... welche sich z.B. in weniger gut gedämmten Gebäuden Morgens durch ein nasses Fenster bemerkbar macht. Durch Kochen, Wäsche trocknen, Duschen und unsere Atemluft wird täglich eine nicht unerhebliche Wassermenge freigesetzt, welche bei einem dichten Gebäuden und mangelnder Lüftung unweigerlich zu Bauschäden führen würde. Trocken wird es dann, wenn die Luftwechselrate zu hoch ist ... und das ist sie, wenn z.B. ein 180m²-Gebäude von nur 2 Personen bewohnt wird oder wenig gekocht wird oder die feuchte Wäsche in einem Kondenstrockner getrocknet wird ... und die Bewohner zusätzlich tagsüber abwesend sind. So gibt es keine Feuchteeintrag aber viel frische Luft von draußen, deren relative Luftfeuchte beim Erwärmen durch die Lüftungsanlage weiter absinkt. 
Der Einsatz von Wärmetauschern mit Feuchterückgewinnung (Rotationswärmetauschern) ist eine Möglichkeit - aber kein Muss, die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen.

Ersetzt die Lüftung eine Dunstabzugshaube in der Küche?
Eigentlich nicht. Aber irgendwie schon!
Zur Beseitigung von Küchendüften (Düfte, denn außer altem Fisch, Kutteln und billigen Fertiggerichten stinkt in der Küche nix) sind wir Abluft-Dunstabzugshauben gewohnt, welche mit (im Vergleich zu Wohnraumlüftungen) gewaltigen Luftmengen die guten Düfte ins Freie befördern. Diese Luftmasse müssen aber auch irgendwo wieder nachströmen - das tun sie in der Regel durch Undichten des Hauses (Fenster, Türen, über den relativ undichten Keller) - und das tun sie ungeheizt. So sorgt eine unscheinbare Abluft-Dunstabzugshaube für einen erheblichen Wärmeverlust, der in einem älteren Haus nicht ins Gewicht fällt, einem Passivhaus aber das Genick bricht.
Alternativ gibt es auch Umluft-DunstUMzugshauben, die die Küchendüfte im Kreis pumpen, mit Hilfe von Fett- und Aktivkohlefiltern verzweifelt versuchen, die Luft besser zu machen als sie ist. Außer teuren, mehr oder weniger unwirksamen Aktivkohle-Ersatzfiltern, vor Fett triefenden Fettfiltern und ebensolchen Haubengehäusen, einer Lärmbelästigung eines Autobahnparkplatzes nichts nachstehend, fummeligen Schaltern, schlechtem Licht und Platzwunden beim Versuch, in den Topf zu blicken, bleiben wenige positive Eigenschaften. 
Die Wohnraumlüftung geht einen anderen Weg - dem Fett wird die Chance gegeben, sich abzusetzen - was es auf den Küchenkästen ohnehin tut. Es wird mit einer relativ geringen Luftmenge abgesaugt, sodass entstehende Düfte (z.B. beim Zwiebelrösten) innerhalb von ca. 15 Minuten verschwinden. Durch das Nachströmen frischer Luft in die Zulufträume (Wohnzimmer, Schlafräume) werden die Düfte daran gehindert, sich in die falsche Richtung auszubreiten. Das Ganze erfolgt ohne nennenswerte Wärmeverluste, völlig geräuschlos uns ohne martialische Haubengebilde über den heute so aktuellen Kochinseln.
Wer bereits erkannt hat, dass es in der Küche nicht stinkt, sondern duftet, hat ohnehin kein Problem damit und auch die alten, abzugshaubenlosen Zeiten unbeschadet überstanden.

Folgekosten?
Ein wenig Strom sowie ein Feinstaubfilter in der Außenluft und 2 günstige Grobstaubfilter im Gerät pro Jahr. Mit dem Gegenwert, dass man den gefangenen Staub nicht von den Regalen wischen und auch nicht einatmen muss. Auch Pollen finden den Weg durch den Feinstaubfilter nicht.

Errichtungskosten?

Weit weniger als wir im Laufe der Zeit in Klimaanlagen in unseren PKW's investieren - Serienausstattung ist nicht gleich gratis.
Im Ernst: Die Wohnraumlüftung ist ein fixer Bestandteil eines funtkionierenden Passivhauses und sorgt für einen unbezahlbaren Behaglichkeitsgewinn. In einem konsequent geplanten Passivhaus sind die Haustechnikkosten durch den Wegfall eines konventionellen wassergeführten Heizsystems samt der Lüftung niedriger als jene für ein Niedrigenergiehaus. Konsequent geplant heißt hier auch, dass eine 3-4köpfige Familie keine 200m² Wohnfläche zu Ihren Glück benötigt - aber viel zu oft drauf besteht.


Ich kann doch selber Lüften!

Das glauben wir! Aber auch im Schlaf? Auch bei Abwesenheit, wenn sich flüchtige Wohnraumschadstoffe über Stunden in der Raumluft anreichern können?


Ich hab doch das Fenster die ganze Nacht gekippt - auch im Winter!

Gratulation! Sie haben ein energiesparendes Haus gebaut, teure und gute Fenster eingebaut, Wand, Boden und Dach super gedämmt ... und sorgen dann für eine gewaltige Wärmebrücke mit erheblichen Wärmeverlusten, partieller Bauteilabkühlung und einem unnatürlichen Klima im Schlafraum. Oder liegen sie im Sommer bei 25°C im Schlafraum nächtelang wach? Nicht die Kälte macht die gute Luft!